Simon Dach                           Klaggedicht bei seiner schmerzlichen Krankheit

1605 – 1659

Wie, ist es denn nicht genug, gern einmal sterben wollen?

Natur, Verhängnis, Gott, was haltet ihr mich auf?

Kein Säumnus ist bei mir, vollendet ist mein Lauf,

Soll ich die Durchfahrt euch denn tausendmal verzollen?

 

Was kränkt es, fertig sein und sich verweilen sollen!

Ist Sterben mein Gewinn, o mir ein schwerer Kauf,

Mich töten so viel Jahr und Krankheiten zuhauf,

Ich lebe noch und bin wohl zehnmal tot erschollen.

 

Weib, Kinder, macht es ihr, verlängert ihr mein Licht?

Seht meinen Jammer an, ist dieses Liebespflicht,

Zu schlechtem Vorteil euch mein Vorteil mir nicht gönnen?

 

Ach, kränket mich nicht mehr durch eurer Angesicht!

Die allerletzte Pein ist, glaub ich, ärger nicht

Als leben müssen, sterben wollen und nicht können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Simon Dach                           Auffm Schlosse Königsberg

1605 - 1659

Du angenehmer Finck, waß treibt dich so zu singen?

Vnd wo doch bist du? Wo hast du dich hingesetzt?

Ich höre längst dir zu, bin längst durch dich ergetzt,

Indem der Schloßplatz muß vor deiner Stimm erklingen.

 

Wilstu noch etwas Lust dem öden Orte bringen,

Der sich von vnserm Häupt anietzt verlassen schätzt

Vnd spricht: wenn seh ich dich? Wenn lesset du zuletzt

Die Tromten, Held, von hier durch alle Städte dringen?

 

Du, Vöglein, kriegst vielleicht hie deiner Arbeit Frucht?

Wie würde sonst dieß Hauß so offt von dir besucht,

Ich wil nicht neidisch seyn, nimm, kanst du waß empfangen.

 

Sing in die späte Nacht, still immer dein Beschwer;

Ich armer nehm ietzt auch hie meine Zuflucht her.

O möcht auch ich doch Trost in meiner Noht erlangen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Simon Dach                           Über den Eingang der Schloßbrücke

1605 - 1659

Du Seule Brandenburgs, du Preussens Sicherheit,

O Fridrich Wilhelm, Trost und Hoffnung vieler Lande,

Sey willkomm deinem Volck hie an des Pregels Rande!

Des Höchsten Ehrendienst ist wegen dein erfrewt,

 

Verspricht Uns unter Dir die alte güldne Zeit;

Gerechtigkeit und Fried in jedem Ort und Stande

Verknüpffen dir sich fest mit einem güldnen Bande,

Du machst, daß alles wil genesen weit und breit.

 

In dem dein Eintzug Uns die Hoffnung aber giebet,

So wirstu billich nie von uns auch gnug geliebet;

O leb Uns werthes Haupt, sey Uns ein Sonnen-schein,

 

Der nimmer untergeht! schon jetzt mit deiner Jugend

Dringt Fama durch die Welt, du wirst bey solcher Tugend

Nicht hie nur, sondern auch im Himmel Hertzog seyn.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Simon Dach                          

1605 – 1659

Du aller Vögel Preuß und wahrer FrühlingsZeuge,

O Nachtigall, mein Wunsch und aller Welt begier,

Halt an, ich bitte dich, was fliegest du für mir

Und hemmest den Gesang, sobald ich mich eräuge?

 

Ich streiche dir allein zu Liebe meine Geige

Und forder so heraus nur deiner Stimme Zier.

Doch bleib! ich gehe nicht ein Vogel-Feind allhier,

Und ärgert etwan dich mein Spiel, so sieh, ich schweige.

 

Du aber nimm mich an für Deiner Künste Freund

Und sing, indem einmal die Sonne liebich scheinet

Auff allzulangen Frost! Kein harter Wind soll regen

 

Den Zweig, darauf du singst. Ach möchtest du nur seyn

Ein Menschenkind wie ich, ich schlösse Dir mich ein

Nur deiner tausend Kunst und güldnen Stimme wegen.

 

 

 

 

 

 

Simon Dach                          

1605 - 1659

Der Mensch klagt jetzt die Nacht, das Meer klagt seine Winde,

Durch die es rasend wird vnd auff vnd abwerts steigt,

Der Wald den wilden Frost, wann jhm sein Safft vertreugst,

Sein Laub entfellt, sein Baum trägt nichts als Aest vnd Rinde,

 

Das Feld des Regens Macht. Herr Schröder, ich befinde

Daß nichts von dem euch kränckt: nicht Nacht, die Sonne zeigt

Sich euch ja selbst; nicht Wind, die Lufft, so an euch fleugt,

Ist sanffter, als der West, der vmb den Lentz gelinde

 

Das Land erquickt; nicht Frost, wer liebt, dem feuret nicht,

Noch Regen; denn der fellt bey keiner Sonnen Liecht.

Drumb lebet jhr in Rhue vnd lasst euch nicht bewegen.

 

Bekehrt in Gott vnd Euch vnd ewren Auffenthalt;

Es finde sich dabey der Mensch, das Meer, der Wald

Vnd alles Feld beschwert durch Nacht, Wind, Kältt’ vnd Regen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Simon Dach                          

1605 - 1659

Das ist die Königin auß Schweden, hört ich sagen,

Was? Pallas, hub ich an, die solche Weisheit führt,

Mehr Juno, seht, was Pracht, was Herrligkeit sie ziehrt,

Ja Venus, sie kan erst den Preiß der Schönheit tragen.

 

Nicht Pallas, Freundligheit wird keine Feinde jagen,

Noch Juno, Wenn hat Lust zur Rache Sie berührt?

Zu dem auch Venus nicht, Sie wird zu keusch gespürt,

Diana ists, die pflegt also hervor zu ragen

 

Auß aller Nympfen Schaar: Ach nein, der Helden Zier

Gustaff war Ihr Gemahl, Christina ist von Jhr,

Diana hat gescheut der Liebe süsses Wesen.

 

Was endlich bist du denn, du Außzug aller Zeit?

Verzeih, mit einem Wort: selbst die Vollkommenheit.

Warumb kein Mensch? hiefür, du bist zu außerlesen.