1605 – 1659
Wie,
ist es denn nicht genug, gern einmal sterben wollen?
Natur,
Verhängnis, Gott, was haltet ihr mich auf?
Kein
Säumnus ist bei mir, vollendet ist mein Lauf,
Soll
ich die Durchfahrt euch denn tausendmal verzollen?
Was
kränkt es, fertig sein und sich verweilen sollen!
Ist
Sterben mein Gewinn, o mir ein schwerer Kauf,
Mich
töten so viel Jahr und Krankheiten zuhauf,
Ich
lebe noch und bin wohl zehnmal tot erschollen.
Weib,
Kinder, macht es ihr, verlängert ihr mein Licht?
Seht
meinen Jammer an, ist dieses Liebespflicht,
Zu
schlechtem Vorteil euch mein Vorteil mir nicht gönnen?
Ach,
kränket mich nicht mehr durch eurer Angesicht!
Die
allerletzte Pein ist, glaub ich, ärger nicht
Als
leben müssen, sterben wollen und nicht können.
1605 - 1659
Du angenehmer Finck, waß
treibt dich so zu singen?
Vnd wo doch bist du? Wo hast
du dich hingesetzt?
Ich höre längst dir zu, bin
längst durch dich ergetzt,
Indem der Schloßplatz muß vor
deiner Stimm erklingen.
Wilstu noch etwas Lust dem
öden Orte bringen,
Der sich von vnserm Häupt
anietzt verlassen schätzt
Vnd spricht: wenn seh ich
dich? Wenn lesset du zuletzt
Die Tromten, Held, von hier durch
alle Städte dringen?
Du, Vöglein, kriegst
vielleicht hie deiner Arbeit Frucht?
Wie würde sonst dieß Hauß so
offt von dir besucht,
Ich wil nicht neidisch seyn,
nimm, kanst du waß empfangen.
Sing in die späte Nacht, still
immer dein Beschwer;
Ich armer nehm ietzt auch hie
meine Zuflucht her.
O möcht auch ich doch Trost in
meiner Noht erlangen!
1605 - 1659
Du Seule Brandenburgs, du
Preussens Sicherheit,
O Fridrich Wilhelm, Trost und
Hoffnung vieler Lande,
Sey willkomm deinem Volck hie
an des Pregels Rande!
Des Höchsten Ehrendienst ist
wegen dein erfrewt,
Verspricht Uns unter Dir die
alte güldne Zeit;
Gerechtigkeit und Fried in
jedem Ort und Stande
Verknüpffen dir sich fest mit
einem güldnen Bande,
Du machst, daß alles wil
genesen weit und breit.
In dem dein Eintzug Uns die
Hoffnung aber giebet,
So wirstu billich nie von uns
auch gnug geliebet;
O leb Uns werthes Haupt, sey
Uns ein Sonnen-schein,
Der nimmer untergeht! schon
jetzt mit deiner Jugend
Dringt Fama durch die Welt, du
wirst bey solcher Tugend
Nicht hie nur, sondern auch im
Himmel Hertzog seyn.
1605 – 1659
Du aller Vögel Preuß und
wahrer FrühlingsZeuge,
O Nachtigall, mein Wunsch und
aller Welt begier,
Halt an, ich bitte dich, was
fliegest du für mir
Und hemmest den Gesang, sobald
ich mich eräuge?
Ich streiche dir allein zu
Liebe meine Geige
Und forder so heraus nur
deiner Stimme Zier.
Doch bleib! ich gehe nicht ein
Vogel-Feind allhier,
Und ärgert etwan dich mein
Spiel, so sieh, ich schweige.
Du aber nimm mich an für
Deiner Künste Freund
Und sing, indem einmal die
Sonne liebich scheinet
Auff allzulangen Frost! Kein
harter Wind soll regen
Den Zweig, darauf du singst.
Ach möchtest du nur seyn
Ein Menschenkind wie ich, ich
schlösse Dir mich ein
Nur deiner tausend Kunst und
güldnen Stimme wegen.
1605 - 1659
Der Mensch klagt jetzt die
Nacht, das Meer klagt seine Winde,
Durch die es rasend wird vnd
auff vnd abwerts steigt,
Der Wald den wilden Frost,
wann jhm sein Safft vertreugst,
Sein Laub entfellt, sein Baum
trägt nichts als Aest vnd Rinde,
Das Feld des Regens Macht.
Herr Schröder, ich befinde
Daß nichts von dem euch
kränckt: nicht Nacht, die Sonne zeigt
Sich euch ja selbst; nicht
Wind, die Lufft, so an euch fleugt,
Ist sanffter, als der West,
der vmb den Lentz gelinde
Das Land erquickt; nicht
Frost, wer liebt, dem feuret nicht,
Noch Regen; denn der fellt bey
keiner Sonnen Liecht.
Drumb lebet jhr in Rhue vnd
lasst euch nicht bewegen.
Bekehrt in Gott vnd Euch vnd
ewren Auffenthalt;
Es finde sich dabey der
Mensch, das Meer, der Wald
Vnd alles Feld beschwert durch
Nacht, Wind, Kältt’ vnd Regen.
1605 - 1659
Das ist die Königin auß
Schweden, hört ich sagen,
Was? Pallas, hub ich an, die
solche Weisheit führt,
Mehr Juno, seht, was Pracht,
was Herrligkeit sie ziehrt,
Ja Venus, sie kan erst den
Preiß der Schönheit tragen.
Nicht Pallas, Freundligheit
wird keine Feinde jagen,
Noch Juno, Wenn hat Lust zur
Rache Sie berührt?
Zu dem auch Venus nicht, Sie
wird zu keusch gespürt,
Diana ists, die pflegt also
hervor zu ragen
Auß aller Nympfen Schaar: Ach
nein, der Helden Zier
Gustaff war Ihr Gemahl,
Christina ist von Jhr,
Diana hat gescheut der Liebe
süsses Wesen.
Was endlich bist du denn, du
Außzug aller Zeit?
Verzeih, mit einem Wort:
selbst die Vollkommenheit.
Warumb kein Mensch? hiefür, du
bist zu außerlesen.